Migräne natürlich vorbeugen: Was Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 laut Studienlage wirklich bringen
Share
Die aktuelle S1-Leitlinie von DGN und DMKG nennt Magnesium als mögliche Option zur Migräneprophylaxe. Was das konkret bedeutet, was Studien zu Vitamin B2 und Coenzym Q10 zeigen und wo die Grenzen liegen – ein evidenzbasierter Überblick.
Multi-Magnesium Bio-Complex ansehen →Kurz zusammengefasst
Die aktuelle S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ von DGN und DMKG (Stand 2025) ordnet Magnesium (600 mg täglich) als mögliche, aber nur begrenzt durch Studien abgesicherte Prophylaxe-Option ein. Für Vitamin B2 (Riboflavin, 400 mg täglich) und Coenzym Q10 (100–150 mg täglich) liegen einzelne placebokontrollierte Studien mit einer Reduktion der Migränetage bzw. -häufigkeit vor, bei insgesamt noch überschaubarer Studienzahl. Keiner der drei Mikronährstoffe ersetzt eine ärztliche Diagnose oder eine leitliniengerechte Migränetherapie – bei häufigen oder sich verändernden Kopfschmerzen ist immer eine neurologische Abklärung sinnvoll.
- Migräne kurz erklärt: Mehr als nur Kopfschmerzen
- Was die aktuelle Leitlinie zu Mikronährstoffen sagt
- Trigger-Faktoren und Lebensstil als Basis jeder Prophylaxe
- Magnesium bei Migräne: Was Studien zeigen
- Vitamin B2 (Riboflavin): die unterschätzte Option
- Coenzym Q10: Wirkung auf Häufigkeit und Schwere
- Kombination: mehr als die Summe der Teile?
- Expert Perspectives & Protocol Breakdown
- Die drei Mikronährstoffe im Vergleich
- Praktische Umsetzung
- Häufige Mythen zu Migräne und Nahrungsergänzung
- Wer vorsichtig sein sollte – und wann zum Arzt
- Häufig gestellte Fragen
Migräne kurz erklärt: Mehr als nur Kopfschmerzen
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, keine „starke Kopfschmerzattacke“ im Alltagssinn. Charakteristisch sind wiederkehrende, meist einseitige, pulsierend-pochende Kopfschmerzen mittlerer bis starker Intensität, die sich bei körperlicher Aktivität verschlimmern und häufig von Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden. Bei etwa jeder dritten betroffenen Person geht der eigentlichen Schmerzphase eine Aura mit vorübergehenden Seh-, Sprach- oder Sensibilitätsstörungen voraus. In Deutschland sind Schätzungen zufolge rund 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen von Migräne betroffen, Frauen etwa drei Mal häufiger als Männer, wobei hormonelle Schwankungen als ein möglicher Einflussfaktor gelten.
Migräne gilt heute unter anderem als Folge einer veränderten Erregbarkeit des Gehirns und einer gestörten Verarbeitung von Reizen im Trigeminusnervensystem, an der auch die Energieversorgung der Nervenzellen (Mitochondrienfunktion) beteiligt sein kann. Genau an diesem Punkt setzen die drei in diesem Artikel besprochenen Mikronährstoffe an: Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 werden in der Forschung vor allem im Zusammenhang mit neuronaler Erregbarkeit und mitochondrialer Energiebereitstellung diskutiert, nicht als klassische Schmerzmittel.
Was die aktuelle Leitlinie zu Mikronährstoffen sagt
Die S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), zuletzt 2025 aktualisiert, ordnet Magnesium in einer Dosierung von 600 mg täglich als eine mögliche Option zur Migräneprophylaxe ein. Gleichzeitig betont die Leitlinie ausdrücklich, dass die Evidenzlage für Magnesium, ebenso wie für pflanzliche Präparate wie Pestwurz, insgesamt begrenzt ist.
Die Empfehlung lautet daher nicht „Magnesium wirkt nachweislich gegen Migräne“, sondern eher: Einzelnen Patientinnen und Patienten, die eine nebenwirkungsarme Option ausprobieren möchten, sollte diese Möglichkeit offenstehen – im Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt. Für Vitamin B2 und Coenzym Q10 existiert keine vergleichbar prominente Erwähnung in der aktuellen deutschen S1-Leitlinie, wohl aber eine Reihe kleinerer, teils placebokontrollierter klinischer Studien, auf die sich Fachgesellschaften für Biofaktoren und einzelne neurologische Fachpublikationen beziehen. Diese Studien sind in aller Regel kleiner angelegt als große Arzneimittelzulassungsstudien, was die Aussagekraft einschränkt, aber innerhalb der Migräneforschung insgesamt üblich ist, da Mikronährstoffe kommerziell weniger stark beforscht werden als patentierbare Wirkstoffe.
Wichtig für die Einordnung: Für keinen der drei in diesem Artikel besprochenen Mikronährstoffe existiert eine von der EFSA zugelassene, spezifische Gesundheitsaussage zur Migräneprophylaxe. Die hier beschriebenen Effekte stammen aus einzelnen klinischen Studien, nicht aus einer behördlich bestätigten Wirkaussage. Für Magnesium ist lediglich die allgemeine Aussage „Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei“ EU-weit zugelassen.
Trigger-Faktoren und Lebensstil als Basis jeder Prophylaxe
Bevor Magnesium, Vitamin B2 oder Coenzym Q10 überhaupt sinnvoll ins Spiel kommen, lohnt sich ein Blick auf die bekanntesten Migräne-Trigger, weil sich hier oft die größten, am besten belegten Stellschrauben verbergen. Zu den am häufigsten berichteten Auslösern zählen unregelmäßiger oder zu kurzer Schlaf, ausgelassene Mahlzeiten mit stark schwankendem Blutzucker, unzureichende Flüssigkeitszufuhr, Alkohol – insbesondere Rotwein bei empfindlichen Personen –, starke Wetterumschwünge sowie psychischer Stress, wobei nicht selten gerade die Entspannungsphase nach einer stressigen Woche eine Attacke auslöst, ein Phänomen, das in der Kopfschmerzmedizin als „Wochenend-Migräne“ bekannt ist.
Bei Frauen spielt zusätzlich der Menstruationszyklus eine dokumentierte Rolle: Der Abfall des Östrogenspiegels kurz vor der Periode gilt als einer der zuverlässigsten Auslöser für menstruelle Migräne. Ein Kopfschmerz- beziehungsweise Migränetagebuch, das Schlaf, Mahlzeiten, Flüssigkeitszufuhr, Stresslevel und bei Frauen den Zyklustag festhält, ist nach wie vor eines der wirksamsten und zugleich kostenlosesten Werkzeuge, um individuelle Muster zu erkennen, noch bevor über Nahrungsergänzung nachgedacht wird. Erst wenn Trigger-Vermeidung und ein stabiler Tagesrhythmus ausgeschöpft sind oder die Attacken trotzdem zu häufig auftreten, wird eine gezielte Mikronährstoff-Prophylaxe für viele Betroffene zu einer sinnvollen nächsten Stufe.
Magnesium bei Migräne: Was Studien zeigen
Magnesium ist an mehreren Prozessen beteiligt, die bei Migräne eine Rolle spielen können, unter anderem an der Regulierung der neuronalen Erregbarkeit und der Weitung von Blutgefäßen. Einige Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit Migräne im Vergleich zu Kopfschmerzfreien häufiger einen niedrigeren Magnesiumspiegel im Gehirngewebe oder in Blutzellen aufweisen, wobei diese Beobachtung nicht zwangsläufig einen ursächlichen Zusammenhang belegt.
In klinischen Studien zur Migräneprophylaxe wurden meist 400 bis 600 mg elementares Magnesium täglich eingesetzt, aufgeteilt auf ein bis zwei Einnahmen über einen Zeitraum von 8 bis 12 Wochen. Die Ergebnisse fallen uneinheitlich aus: Einzelne placebokontrollierte Studien zeigten eine signifikante Reduktion von Häufigkeit und Dauer der Migräneattacken, andere Untersuchungen fanden keinen statistisch signifikanten Unterschied zu Placebo. Die DGN/DMKG-Leitlinie fasst diese Gesamtlage als „begrenzte Evidenz bei guter Verträglichkeit“ zusammen – ein Grund, warum Magnesium in der Praxis dennoch häufig als nebenwirkungsarmer erster Versuch eingesetzt wird, bevor verschreibungspflichtige Prophylaktika erwogen werden.
Ein praktisch relevanter limitierender Faktor: Höhere Magnesiumdosen werden in Studien nicht immer erreicht, weil Magnesium ab einer gewissen Menge abführend wirken kann. Magnesiumcitrat und -bisglycinat gelten dabei im Allgemeinen als besser verträglich für den Magen-Darm-Trakt als Magnesiumoxid, was die praktische Umsetzbarkeit einer höher dosierten, längerfristigen Einnahme verbessern kann. Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten eine Magnesium-Supplementierung in dieser Dosishöhe grundsätzlich vorab ärztlich abklären lassen, da die Niere überschüssiges Magnesium sonst nicht zuverlässig ausscheiden kann.
Vitamin B2 (Riboflavin): die unterschätzte Option
Vitamin B2, auch Riboflavin genannt, ist ein zentraler Baustein der mitochondrialen Energiegewinnung – also genau jenes Prozesses, der bei Migräne in den Nervenzellen möglicherweise gestört ist. In einer placebokontrollierten Studie von Jean Schoenen und Kollegen erhielten Teilnehmende über drei Monate täglich 400 mg Riboflavin; im Ergebnis reduzierte sich die Häufigkeit der Migräneattacken in der Riboflavin-Gruppe im Schnitt um rund 50 Prozent gegenüber der Placebogruppe. Die untersuchte Gruppe war mit rund 55 Personen allerdings vergleichsweise klein, weshalb größere Folgestudien wünschenswert wären, um die Ergebnisse zu bestätigen.
Riboflavin gilt in den in Studien verwendeten Dosierungen als sehr gut verträglich; die häufigste berichtete Nebenwirkung ist eine harmlose, intensiv gelbe Verfärbung des Urins durch die wasserlösliche Ausscheidung überschüssigen Vitamins. Ein relevanter Vorteil gegenüber vielen verschreibungspflichtigen Prophylaktika ist das damit sehr geringe Nebenwirkungsrisiko, weshalb Riboflavin in der neurologischen Fachliteratur gelegentlich als Option für Menschen genannt wird, die Medikamentennebenwirkungen besonders vermeiden möchten oder zusätzlich zur bestehenden Therapie eine gut verträgliche Ergänzung suchen.
Coenzym Q10: Wirkung auf Häufigkeit und Schwere
Coenzym Q10 ist ein körpereigenes, fettlösliches Molekül, das in den Mitochondrien für den Elektronentransport und damit für die zelluläre Energiegewinnung unverzichtbar ist. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie von Peter S. Sándor und Kollegen mit episodischer Migräne führte eine tägliche Einnahme von 100 mg Coenzym Q10 über drei Monate bei rund 48 Prozent der Teilnehmenden zu einer Halbierung der Migränehäufigkeit, verglichen mit einem deutlich geringeren Anteil in der Placebogruppe. Auch die Anzahl der Tage mit Übelkeit während der Attacken war in der Coenzym-Q10-Gruppe reduziert.
In den zugrundeliegenden Studien wurden Dosierungen zwischen 100 und 150 mg täglich verwendet, aufgeteilt auf ein bis drei Einnahmen, jeweils über mindestens drei Monate, da der Effekt sich erfahrungsgemäß erst nach mehreren Wochen aufbaut. Coenzym Q10 gilt allgemein als gut verträglich; gelegentlich werden leichte Magen-Darm-Beschwerden berichtet. Da Coenzym Q10 die Wirkung von blutgerinnungshemmenden Medikamenten wie Marcumar beeinflussen kann, sollte die Einnahme bei bestehender Gerinnungshemmung vorab ärztlich abgestimmt werden.
Kombination: mehr als die Summe der Teile?
Über die Einzelwirkung hinaus wurde auch eine feste Kombination aus allen drei hier besprochenen Mikronährstoffen untersucht. In einer randomisierten, placebokontrollierten, multizentrischen Doppelblindstudie von Charly Gaul und Kollegen mit rund 130 Teilnehmenden im Alter von 18 bis 65 Jahren erhielt eine Gruppe über zwölf Wochen ein Kombinationspräparat mit Magnesium (600 mg), Vitamin B2 (400 mg) und Coenzym Q10. Die durchschnittliche Anzahl der Migränetage pro Monat sank in der Verumgruppe von 6,2 auf 4,4 Tage, und migränebezogene Symptome sowie Lebensqualität verbesserten sich gegenüber Placebo. Bei der Migränehäufigkeit selbst erreichte der Unterschied zwischen Verum- und Placebogruppe allerdings nur eine statistische Tendenz, keine vollständige Signifikanz – ein Hinweis darauf, dass der Effekt real, aber moderat und nicht bei allen Betroffenen gleich stark ausfallen dürfte.
Wichtige Einordnung: Eine separate, methodisch schwächere offene Studie von Hans-Christoph Diener und Kollegen ohne Placebogruppe untersuchte zusätzlich eine erweiterte Kombination aus Magnesium, Vitamin B2, Mutterkraut (Feverfew), Andrographis paniculata und Coenzym Q10 bei episodischer Migräne.
Ohne Placebokontrolle lässt sich aus einer solchen offenen Studie jedoch nicht zuverlässig ableiten, welcher Anteil der beobachteten Besserung auf die Supplementierung selbst und welcher auf den bekannten Placebo- beziehungsweise Erwartungseffekt zurückgeht. Für eine verlässliche Einschätzung der Dreier-Kombination aus Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 bleibt die placebokontrollierte 130-Personen-Studie von Gaul und Kollegen die aussagekräftigere Quelle, auch wenn weitere, größere Folgestudien wünschenswert wären.
Expert Perspectives & Protocol Breakdown
Jean Schoenen (Université de Liège) und sein Team konzentrierten sich in der Riboflavin-Studie von 1998 auf einen einzelnen Mikronährstoff in isolierter, hoher Dosierung (400 mg), um dessen eigenständigen Effekt möglichst sauber von anderen Einflussfaktoren zu trennen. Dieser reduktionistische Ansatz liefert eine klare Aussage zu Riboflavin allein, sagt aber wenig darüber aus, wie sich der Effekt bei gleichzeitiger Gabe mehrerer Mikronährstoffe verhält.
Charly Gaul und sein Team verfolgten mit der 2015 veröffentlichten Kombinationsstudie den gegenteiligen Ansatz: Sie prüften Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 gemeinsam als fixe Dreier-Kombination, näher an der Art, wie Betroffene ein Präparat in der Praxis tatsächlich einnehmen würden. Der Kompromiss dieses Ansatzes: Aus einer Kombinationsstudie lässt sich nicht ableiten, welcher der drei Mikronährstoffe den größten Anteil am beobachteten Effekt hat – dafür bildet sie das reale Anwendungsszenario realistischer ab als die Einzelstoff-Studien. Für Leserinnen und Leser bedeutet die Gegenüberstellung: Wer maximale Gewissheit zu einem einzelnen Stoff sucht, findet sie eher in den Einzelstoff-Studien von Schoenen oder Sándor; wer eine praxisnahe Gesamtstrategie sucht, findet in der Kombinationsstudie von Gaul die passendere Orientierung.
Die drei Mikronährstoffe im Vergleich
| Nährstoff | Studien-Dosierung | Evidenzstärke | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Magnesium | 400–600 mg/Tag | Begrenzt (laut DGN/DMKG-Leitlinie) | Kann bei hohen Dosen abführend wirken; bei Niereninsuffizienz vorab ärztlich abklären |
| Vitamin B2 (Riboflavin) | 400 mg/Tag | Einzelstudie, kleine Gruppe (~55 Personen) | Harmlose gelbe Urinverfärbung möglich; sehr gute Verträglichkeit |
| Coenzym Q10 | 100–150 mg/Tag | Randomisierte Studie, moderate Gruppengröße | Kann Wirkung von Blutgerinnungshemmern beeinflussen |
4 Magnesiumformen (76 % Magnesiumbisglycinat) in einer Tablette, 200 mg pro Tablette. Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zur Verringerung von Müdigkeit bei.
Hochdosiertes Coenzym Q10, 60 Softgels. In Studien zur Migräneprophylaxe wurden 100–150 mg täglich über mindestens drei Monate eingesetzt.
Praktische Umsetzung
Wer eine Mikronährstoff-basierte Migräneprophylaxe ausprobieren möchte, profitiert von einem strukturierten Vorgehen statt wahllosem Ausprobieren. Sinnvoll ist zunächst ein Migränetagebuch über vier bis acht Wochen vor Beginn der Supplementierung, um Häufigkeit, Dauer und Auslöser der eigenen Attacken realistisch einschätzen zu können – nur so lässt sich später beurteilen, ob eine Veränderung tatsächlich eingetreten ist. Da alle drei Mikronährstoffe ihre Wirkung erst über Wochen aufbauen, ist eine Mindesteinnahmedauer von acht bis zwölf Wochen realistisch, bevor eine Wirkbeurteilung sinnvoll ist.
Bei Magnesium empfiehlt sich ein einschleichender Beginn mit einer niedrigeren Dosis, die über ein bis zwei Wochen gesteigert wird, um die abführende Wirkung höherer Einzeldosen zu vermeiden. Die Einnahme zu einer Mahlzeit verbessert bei vielen Menschen die Verträglichkeit. Vitamin B2 und Coenzym Q10 können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden, wobei Coenzym Q10 als fettlösliches Molekül zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit tendenziell etwas besser aufgenommen wird.
Wichtig ist die Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt, insbesondere wenn bereits eine medikamentöse Migräneprophylaxe oder Akuttherapie besteht. Mikronährstoffe werden in der neurologischen Praxis in aller Regel als mögliche Ergänzung, nicht als Ersatz einer bestehenden Behandlung diskutiert.
Für wen kommt dieser Ansatz überhaupt infrage? Am ehesten für Menschen mit episodischer Migräne, also bis zu etwa 14 Kopfschmerztagen im Monat, die eine nebenwirkungsarme, gut verträgliche Option vor oder neben einer medikamentösen Therapie ausprobieren möchten. Wer bereits häufig Akutmedikamente wie Triptane einsetzt und Sorge vor einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz hat, findet in Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 eine Option mit vergleichsweise geringem Risikoprofil. Weniger geeignet ist ein rein mikronährstoffbasierter Ansatz für Menschen mit chronischer Migräne oder sehr häufigen, stark beeinträchtigenden Attacken – hier braucht es in der Regel eine strukturierte, ärztlich begleitete Prophylaxe, zu der Mikronährstoffe bestenfalls einen ergänzenden Baustein beitragen.
Häufige Mythen zu Migräne und Nahrungsergänzung
Mythos 1: „Magnesium heilt Migräne.“ Das ist nach aktueller Studienlage nicht zutreffend. Bestenfalls kann Magnesium bei einem Teil der Betroffenen Häufigkeit oder Schwere der Attacken reduzieren – eine Heilung im Sinne eines vollständigen Verschwindens der Erkrankung beschreibt keine der vorliegenden Studien.
Mythos 2: „Migräne ist nur eine besonders starke Kopfschmerzattacke.“ Migräne ist eine eigenständige neurologische Erkrankung mit einem spezifischen Beschwerdebild und einer eigenen Pathophysiologie, keine Steigerungsform des Spannungskopfschmerzes.
Mythos 3: „Wer Nahrungsergänzung nimmt, kann auf ärztliche Abklärung verzichten.“ Gerade bei neu auftretenden, sich verändernden oder ungewöhnlich häufigen Kopfschmerzen ist eine ärztliche Abklärung wichtig, um andere Ursachen auszuschließen. Mikronährstoffe sind eine mögliche Ergänzung, kein Ersatz für Diagnostik.
Mythos 4: „Höher dosieren wirkt automatisch besser.“ Für keinen der drei Mikronährstoffe zeigen Studien einen linearen Zusammenhang zwischen Dosis und Wirkung oberhalb der untersuchten Mengen. Eine Überdosierung von Magnesium kann zudem unerwünschte Effekte wie Durchfall oder in seltenen Fällen bei stark eingeschränkter Nierenfunktion ernstere Komplikationen verursachen.
Wer vorsichtig sein sollte – und wann zum Arzt
Ein Arztbesuch ist unabhängig von jeder Nahrungsergänzung dringend angezeigt bei plötzlich einsetzenden, extrem starken Kopfschmerzen („Vernichtungskopfschmerz“), bei Kopfschmerzen mit Fieber, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit oder neurologischen Ausfällen, bei erstmaligem Auftreten einer Migräne mit Aura nach dem 40. Lebensjahr sowie bei einer spürbaren Veränderung des gewohnten Kopfschmerzmusters. Diese Anzeichen können auf ernstere Ursachen hindeuten und erfordern eine zeitnahe medizinische Abklärung statt Selbstbehandlung.
Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten höher dosiertes Magnesium nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Wer gerinnungshemmende Medikamente wie Marcumar oder Phenprocoumon einnimmt, sollte Coenzym Q10 vorab ärztlich abklären lassen. Schwangere und Stillende sollten jede neue, höher dosierte Nahrungsergänzung generell vorab besprechen. Menschen mit chronischer Migräne (an 15 oder mehr Tagen im Monat) benötigen in aller Regel eine leitliniengerechte ärztliche Prophylaxe, bei der Mikronährstoffe allenfalls eine ergänzende Rolle spielen können.
Mehr zu den einzelnen Nährstoffen findest du in unseren Studien-Checks zu Magnesium bei Muskeln, Schlaf und Stress und zu Coenzym Q10 und gesundheitlichen Risiken.
Häufig gestellte Fragen
Hilft Magnesium wirklich gegen Migräne?
Die DGN/DMKG-Leitlinie nennt Magnesium (600 mg täglich) als mögliche Option, betont aber begrenzte Evidenz. Einzelne Studien zeigen eine Reduktion von Häufigkeit und Dauer der Attacken, andere keinen signifikanten Effekt.
Wie schnell wirkt Vitamin B2 oder Coenzym Q10 bei Migräne?
In den Studien wurde die Wirkung nach mindestens acht bis zwölf Wochen kontinuierlicher Einnahme beurteilt. Ein sofortiger Effekt bei akuten Attacken ist nicht zu erwarten.
Kann ich Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 kombinieren?
Ja, eine placebokontrollierte Studie von Gaul und Kollegen mit rund 130 Teilnehmenden prüfte genau diese Dreier-Kombination und zeigte eine Reduktion der Migränetage sowie eine verbesserte Lebensqualität. Bei der Migränehäufigkeit selbst war der Unterschied zu Placebo nur ein statistischer Trend.
Ersetzen diese Mikronährstoffe eine ärztliche Migränetherapie?
Nein. Sie gelten allenfalls als mögliche Ergänzung. Bei häufiger, starker oder sich verändernder Migräne ist eine ärztliche beziehungsweise neurologische Abklärung und Therapie wichtig.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Magnesium kann in höheren Dosen abführend wirken. Vitamin B2 kann den Urin harmlos gelb verfärben. Coenzym Q10 kann vereinzelt leichte Magen-Darm-Beschwerden verursachen und die Wirkung von Blutgerinnungshemmern beeinflussen.
Wer sollte vor der Einnahme unbedingt einen Arzt fragen?
Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion (Magnesium), mit gerinnungshemmender Medikation (Coenzym Q10), Schwangere und Stillende sowie Menschen mit chronischer Migräne oder neu aufgetretenen, ungewöhnlichen Kopfschmerzen.
Gibt es eine zugelassene Gesundheitsaussage zu Migräne?
Nein. Für keinen der drei Mikronährstoffe existiert eine EFSA-zugelassene Aussage speziell zur Migräneprophylaxe. Für Magnesium ist lediglich die allgemeine Aussage zur normalen Funktion des Nervensystems zugelassen.
Was sind die wichtigsten Migräne-Trigger im Alltag?
Zu den häufigsten Auslösern zählen unregelmäßiger Schlaf, ausgelassene Mahlzeiten, zu wenig Flüssigkeit, Alkohol, Stress beziehungsweise die Entspannungsphase danach, Wetterumschwünge und bei Frauen der hormonelle Abfall vor der Menstruation. Ein Migränetagebuch hilft, individuelle Muster zu erkennen.
Gezielte Unterstützung für Nervensystem & Zellenergie
Multi-Magnesium Bio-Complex und Coenzyme Q10 200mg, laborgeprüft und made in Germany.
Produkte entdecken →Laborgeprüft und ohne unnötige Zusatzstoffe. DSGVO-konformer Versand innerhalb Deutschlands, sichere Zahlung per PayPal, Klarna und Kreditkarte, transparente Rückgabebedingungen.
References & Scientific Citations
- DGN/DMKG. S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, AWMF-Register-Nr. 030-057 (2025)
- Schoenen et al. (1998). Effectiveness of High-Dose Riboflavin in Migraine Prophylaxis: A Randomized Controlled Trial, Neurology
- Sándor et al. (2005). Efficacy of Coenzyme Q10 in Migraine Prophylaxis: A Randomized Controlled Trial, Neurology
- Gaul et al. (2015). Improvement of Migraine Symptoms with a Proprietary Supplement Containing Riboflavin, Magnesium and Q10, The Journal of Headache and Pain
- Diener et al. (2021). Open-Label Study on a Fixed Combination of Magnesium, Riboflavin, Feverfew, Andrographis Paniculata and Coenzyme Q10 in Episodic Migraine, Journal of Clinical Medicine
- Europäische Kommission, Verordnung (EU) Nr. 432/2012, zugelassene Gesundheitsangabe zu Magnesium und Nervensystem.
- Gesellschaft für Biofaktoren e.V.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.